Prof. Dr. Gitta Domik

»Computergrafik gibt der Mathematik Gestalt und den Daten Ausdruckskraft. Durch komplexe Formeln und präzise Modelle erreichen wir photorealistische Computerdarstellungen. Wir verbessern und erforschen die Methoden zur Visualisierung verschiedenster Anforderungsbereiche aus Gesellschaft und Wirtschaft.«

Freitag, 05. August 2011 05.08.11 13:49 Alter: 6 Jahre

Informatiker, Arbeitswissenschaftler und Chemiker gestalten die Zukunft
E-Portfolios unterstützen die Durchlässigkeit in der Aus- und Weiterbildung

Foto (Simone Rudolph): Dipl.-Inform. Dominik Niehus präsentiert ein WBT-Modul der E-Learning-Plattform DAWINCI.

Der schnelle Wandel in der Wissens- und Informationsgesellschaft führt dazu, dass eine einmalige Ausbildung zu Beginn des Berufslebens nicht für den gesamten Zeitraum der Erwerbsarbeit ausreichend ist. Neue Anforderungen werden gestellt und neue Kompetenzen müssen erworben werden. Hinzu kommt der zunehmende Fachkräftemangel, der die Unternehmen zwingt mehr Flexibilität bei der Einstellung neuer Mitarbeiter zu schaffen. Lebensbegleitendes Lernen ist ebenso gefragt wie die Möglichkeit Quereinsteiger mit unterschiedlichen Bildungsbiografien einzustellen. Die Verbesserung der Durchlässigkeit in der Aus- und Weiterbildung ist ein Problem, das Beschäftigte wie Unternehmen gleichermaßen betrifft.

Im Rahmen des DAWINCI-Projekts soll ein Unterstützungskonzept für die berufliche Aus- und Weiterbildung entwickelt werden mit dem die Übergänge zwischen den unterschiedlichen Ausbildungsphasen flexibler und nachhaltiger gestaltet werden können: DAWINCI steht für „Durchlässigkeit in der Aus- und Weiterbildung in der Chemischen Industrie“. Dazu entwickeln die beteiligten Chemie-Partner E-Learning-Module, die besonders durchlässigkeitsrelevant sind. Parallel entwickeln Arbeitswissenschaftler der Universität Paderborn ein Kompetenzmodell, das die Vergleichbarkeit und damit die Anrechenbarkeit der Lernleistungen ermöglichen soll.

Hier kommt jetzt die Informatik ins Spiel, denn ohne eine E-Learning-Plattform, die sowohl die Bereitstellung der Inhalte und die Abwicklung der Lernprozesse, als auch die Verwaltung der Ergebnisse in Form eines E-Portfolios unterstützt, sind solche Prozesse nicht zukunftstauglich. Dipl.-Inform. Dominik Niehus, vom Fachgebiet Kontextuelle Informatik, kümmert sich unter der Leitung von Herrn Prof. Dr.-Ing. Reinhard Keil um die technische Umsetzung des Vorhabens. Niehus entwickelt eine E-Learning-Plattform, die auf drei Säulen aufbaut:

  • der Abwicklung von Lernprozessen
  • der Durchführung von Prüfungen
  • der Einordnung und Verwaltung von Lernleistungen in einem E-Portfolio.

Über die Plattform werden durchlässigkeitsrelevante Lehrinhalte vermittelt und angeeignet die sowohl „Hard-“, als auch „Softskills“ betreffen. Zur Einordnung der Ergebnisse nutzt die Plattform ein Kompetenzmodell, das aus den Ausbildungsverordnungen abgeleitet worden ist. „Das E-Portfolio“, führt Niehus aus,„verkörpert ein digitales Kompetenzmodell, das somit Aufschluss über das Wissen und Können des Einzelnen liefert. Diese Verknüpfung zwischen E-Portfolio und Kompetenzmodell“, so Niehus weiter, „wurde bisher weltweit sowohl technisch als auch praktisch noch nicht vorgenommen.“ Die E-Learning-Plattform verkörpert somit ein innovatives Werkzeug, das durchlässigkeitsrelevante Inhalte und individuelle Kompetenzprofile verknüpft und damit auch die Identifizierung
von Kompetenzdefiziten ermöglicht.

In einem ersten Testlauf mit 24 Schülern am Chemiekompetenzzentrum Marl (Chemkom) konnte die Plattform bereits ihre Leistungsfähigkeit beweisen. Nach einer zweistündigen Schulung durch die WBT- (Web Based Training) Module wurde das Wissen der Lernenden anhand eines Multiple Choice Tests abgeprüft. Der Testlauf diente zwar vor allem der Erhebung von technischen und inhaltlichen Fehlern, doch nutzten die Schüler schon rege und eigenständig diverse weitere Funktionen der Plattform, wie beispielsweise das Anlegen eines Profils oder die Organisation von Arbeitsgruppen. „Bis zum Ende des Projektes sollen weitere Inhalte bereitgestellt und mit dem Kompetenzmodell verknüpft werden“ erklärt Niehus abschließend.

Das dreijährige DAWINCI-Projekt startete im März 2009 und wird vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) und dem ESF (Europäischer Sozialfonds für Deutschland) gefördert. Unter der Konsortialführung der Universität Paderborn sind Chemkom e.V. (Marl), Creos GmbH (Bielefeld), Infracor GmbH (Marl), Provadis GmbH (Frankfurt) und Industriepark Wolfgang GmbH (Hanau) weitere Partner des Projekts.


Kontakt:
Dipl.-Inform. Dominik Niehus
Fachgebiet Kontextuelle Informatik
05251 60-6415
niehus[at]hni.upb.de


Kontakt: Patrizia Höfer, Institut für Informatik, 05251 60-3341, hoefer[at]upb.de